Bildarchiv


Transport mit Bürgerwagen
 

Bilder aus der Ausstellung
"Zerstreut und Zerschlagen "
im Kloster Daheim 2003

auf Stroh transportiert

 

Bauaufnahme der Pfarrkirche 1827

 Borgentreich, St. Johannes-Kirche, Bauaufnahme von Gockel (?),
1827

 

 

 

 


1803



Für die Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch französische Truppen sicherte Napoleon Bonaparte den deutschen Fürsten bei den Friedensverhandlungen entsprechende Entschädigungen zu. Diese waren nur durch die Verstaatlichung von Klöstern und geistlichen Herrschaftsgebieten rechts des Rheins möglich. Voraussetzung hierfür war der neue Zeitgeist der Aufklärung mit seinen Ursprüngen in der Französischen Revolution. Dessen gesellschaftliche Kritik richtete sich auch gegen die Klöster und die weltliche Herrschaft von Geistlichen.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss (1803) wurden die deutschen Fürsten nicht nur zu Landesherren über die bisher von Bischöfen und anderen Prälaten regierten Länder, sondern ergriffen zugleich auch Besitz von den in diesen Gebieten gelegenen Ordensniederlassungen.

Im Rahmen der Säkularisation, d.h. der Einziehung und Verstaatlichung kirchlichen Besitzes, folgte eine systematische Erfassung der Klöster und ihres Vermögens. Bei der Verwertung des Inventars durch die neuen Eigentümer, wurden die kostbaren Kirchengeräte, Kunstwerke und liturgische Gewänder sowie sämtliches Inventar versilbert, oftmals auch zweckentfremdet oder sogar „verschrottet“.
Aus dem
Kloster Dalheim gelangten auf diesem Wege die Beichtstühle nach Willebadessen - Fölsen, die Kommunionbänke nach Lichtenau - Husen sowie die Orgel nach Borgentreich.

Der damalige Borgentreicher Bürgermeister Stamm versuchte im Frühjahr 1803 die Orgel für seine Stadt zu gewinnen. Sein Ende Mai geschriebenes Gesuch befürwortete der Paderborner Generalvikar innerhalb weniger Tage. Es blieb zu prüfen, ob das Instrument für die Borgentreicher Pfarrkirche geeignet sei.

Der Dringenberger Orgelbauer Arnold Isfording attestierte, "das die Orgel selbst und alles was Eigentlich Zur orgel gehöret, daselbst fueglich angebracht werden kan, die strucktur oder verZierungen des prospekts aber, welche ohnehin beym abbrechen gar leicht schaden leiden können, dürfen des raumes halber wol hin und wider in etwa, weggelassen, oder ver endert werden müssen."

Am 28. Juli erteilte der preußische König die Genehmigung zur Übergabe der Orgel an die Stadt Borgentreich.

Unter Mithilfe der Borgentreicher Bürger wurde die Orgel in Dalheim abgebaut und mit 32 Bürgerwagen nach Borgentreich transportiert. In Kleinenberg wurden 3 Rt. Weg-Geld entrichtet. Nach dem Abladen der Orgelteile am gleichen Abend wurde an alle Helfer Brandwein auf Kosten der Stadt ausgeschenkt.

Nach Abriss der alten Orgel sowie der Orgelbühne wurde mit Bauholz, das zum Teil aus Beverungen von Flößern übernommen und zum Teil im „Natzunger Holtze“ geschlagen wurde, eine neue Empore errichtet.

Danach wurde die Orgel vom Orgelbauer Isfording aufgestellt.

Es ist festgehalten, dass der Calcant Johannes Mencken bei der abschließenden Stimmung
22 1/2 Tage die Blasebälge treten musste, bevor die Orgel ihren alten Klang wieder hatte.

Die Gesamtkosten für Abbau, Transport und Wiederaufbau inklusive der Nebenarbeiten wird in den erhaltenen Dokumenten mit 798 Reichtaler und 20 Silbergroschen angegeben.

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